Wird sich Lettisch je als Hauptsprache durchsetzen?

Riga_Frihetsmonumentet

© Vinterfrid/wikipedie/ cc-by-sa 3.0

Nicht nur in Belgien sind die dort vorherrschenden Sprachen immer wieder ein Streitthema, auch in Lettland wird darüber diskutiert, ob Lettisch zur Hauptsprache erhoben werden soll oder nicht. Während ein Großteil der lettischen Einwohner, die rund 62 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sich für die lettische Sprache ausspricht, versucht die russische Minderheit, deren Bevölkerungsanteil bei fast 27 % liegt, dies zu verhindern. Sie fühlen sich diskriminiert, da in der 10.-12. Klasse einer russischen Schule mindestens 60 % des Unterrichts in Lettisch durchgeführt werden muss.

Neben der Amtssprache Lettisch, das die Muttersprache von 68 % der Einwohner ist, werden in der Region auch die Sprachen Lettgallisch sowie Livisch gesprochen. Letztere gilt als fast ausgestorben. Livisch wird vor allem in der Provinz Kurland, einer der vier historischen Landschaften Lettlands, vom Volk der Liven gesprochen. Neben einem ausgeprägten Kasussystem zeichnet sich das Livische durch eine fast durchgehende Betonung der ersten Silbe aus. Die Zahl der Muttersprachler schwankt je nach Erhebung zwischen fünf und 20 Personen.

Hinsichtlich des Lettgallischen wird zwischen zwei Formen unterschieden. Zum einen bezeichnet der Begriff die ehemalige Sprache der Lettgallen, aus dem sich das Lettische, ergänzt durch einige andere Sprachen, entwickelt hat. Lettgallen zählt ebenfalls zu den historischen Landschaften. Zudem wird mit der Bezeichnung die Sprache umschrieben, die aktuell im Osten Lettlands verwendet wird. Zwischen 1865 und 1904 durften bedingt durch die Herrschaft des Russischen Kaiserreiches Bücher in dieser Sprache, die teilweise auch als regionaler Dialekt des Lettischen angesehen wird, nicht gedruckt werden.