Wie Plattdeutsch nach Bolivien und Kanada kam

Eine Vielzahl an Sprachen ist uns unbekannt, obwohl sie Teil der germanischen Sprachenfamilie sind. Plautdietsch ist nur eine von ihnen. Dass diese Sprachen uns relativ fremd erscheinen, liegt vermutlich daran, dass Plautdietsch, obwohl es eine niederpreußische Varietät des Ostniederdeutschen („Plattdeutsch“) ist, von Russlandmennoniten überwiegend in Lateinamerika und der Karibik (u. a. Bolivien, Mexiko, Argentinien und Uruguay), in Kanada, den USA sowie in Russland gesprochen wird. In Nordamerika ist Plautdietsch unter dem Begriff Mennonite Low German bekannt.

Von der westpreußischen Weichseldelta waren Ende des 18. Jahrhunderts deutschsprachige Mennoniten in Richtung Südrussland und anschließend in das Gebiet der heutigen Ukraine ausgewandert. Ihre Nachfahren zogen seit 1874 weiter nach Kanada sowie Süd- und Mittelamerika und werden heute als Russlandmennoniten bezeichnet. Aktuell sind rund 500.000 Sprecher zu verzeichnen, rund 200.000 Muttersprachler sind aber auch in Deutschland zu finden. Ein Großteil von ihnen ist in Ostwestfalen-Lippe, Alheim, Neuwied, Köln/Bonn sowie Gummersbach anzutreffen.

Während in anderen Staaten viele Muttersprachler neben Plautdietsch noch weitere Landessprachen sprechen, leben in Lateinamerika rund 100.000 Menschen, die ausschließlich Plautdietsch sprechen. Über die Jahrhunderte wurde seitens einiger Mennonitengruppen innerhalb ihrer Kolonien das Plautdietsch gepflegt und auf diese Weise eine sprachliche Barriere gegen äußere Einflüsse aufgebaut. Traditionelle Mennoniten sind der Ansicht, dass der Kontakt mit jeglicher Form der Moderne sie von ihrem Glauben sowie der Nähe zu Gott entferne. In der Regel wird in altdeutscher Schrift geschrieben.