Wie die mazedonische Sprache eigenständig wurde

800px-Vardarriver-skopjeDas Mazedonische hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In Bulgarien zum Beispiel wurden die einzelnen Dialekte aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit dem Bulgarischen lange Zeit als bulgarische und nicht als mazedonische Dialekte klassifiziert. Zahlreiche Bulgaren setzen heute immer noch das Bulgarische − die mazedonischen Dialekte miteingerechnet − mit dem Ostsüdslawischen gleich. Im Rahmen der Linguistik werden die mazedonische Sprache sowie das Bulgarische jedoch als jeweils eigenständige Sprachen gelistet. Sie werden der östlichen Gruppe der südslawischen Sprachen zugeordnet. Heute sprechen rund 2 Millionen Menschen Mazedonisch als Muttersprache, ein Großteil der Muttersprachler lebt in Mazedonien.

Erst in den 1940er-Jahren wurde mit der Bildung der mazedonischen Sprache begonnen. Die slawischen Mundarten, die in der Region des heutigen Mazedoniens gesprochen wurden, sollten zu einer Standardsprache vereinheitlicht werden. Dies hatte die Kommunistische Internationale im Jahr 1934 festgelegt. Der Antifaschistische Rat der Volksbefreiung Mazedoniens beschloss am 2. August 1944, dass die mazedonische Sprache nun endgültig eingeführt werden sollte und erhob sie zur Amtssprache der Republik Mazedoniens.

Drei philologische Kommissionen widmeten sich fortan der Aufgabe, eine mazedonische Schriftsprache zu entwickeln. Schließlich hatte es zuvor keine einheitliche Schriftsprache gegeben. Das Alphabet des Mazedonischen, das sich am kyrillischen Alphabet des Serbischen orientiert, wurde erstmals am 6. Mai 1945 vorgestellt. Gegenüber dem serbischen Alphabet weist das mazedonische Alphabet einen Buchstaben mehr auf sowie die Buchstaben ѓ und ќ unterscheiden sich. Die mazedonische Sprache kennt im Gegensatz zu Deutschen keinen Genitiv.