Weißrussisch kämpft seit Jahren gegen die Unterdrückung

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Dass Sprachen ein Ausdruck von Freiheit und Unabhängigkeit sein können, beweist das Weißrussische, das teilweise auch als Belarussisch bezeichnet wird. Lange Zeit, vor allem unter der Herrschaft Stalins sowie während der Zugehörigkeit zur Sowjetunion, wurde die Sprache unterdrückt. Auch heute noch wird das Weißrussische − obwohl es rund 300.000 Muttersprachler aufweist − hauptsächlich von Intellektuellen verwendet. Vor allem Schriftsteller, Musiker, Künstler, aber auch Wissenschaftler, die teilweise dem linken Spektrum zuzuordnen sind, bedienen sich der Sprache, um ihren Untergang zu verhindern. Der Großteil der weißrussischen Bevölkerung spricht Russisch, ein Teil von ihnen eine Mischsprache aus Russisch und Weißrussisch.

Die weißrussische Sprache, die wie das Ukrainische den ostslawischen Sprachen zugeordnet wird, droht seit der Ernennung der russischen Sprache zur zweiten Amtssprache, auszusterben. Viele Einheimische gehen davon aus, dass das Weißrussische in Zukunft vollständig in der russischen Sprache aufgehen wird. Im Jahr 2003 schloss auf Anordnung des Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka zudem das einzige Gymnasium, in dem der Unterricht auf Weißrussisch abgehalten wurde.

Bereits im 14. Jahrhundert, nach der Eingliederung des Landes in den Doppelstaat Polen-Litauen, hatte das Weißrussische einen schweren Stand. Dies änderte sich auch im Laufe der Jahre nicht mehr. Besonders nach Ende des Zweiten Weltkrieges war es verpönt, Weißrussisch zu sprechen, da es als Erkennungszeichen für Nationalisten galt, die sich von der Sowjetunion abwendeten. Zugleich galt Weißrussisch als Sprache der Bauern und Dummen. Doch inzwischen besinnen sich immer mehr junge Weißrussen auf ihre Identität und ihre Sprache. Teilweise wird Weißrussisch wieder an Schulen gelehrt, vielerorts genießt es den Status einer Alltagssprache.