Warum das Bretonische vom Aussterben bedroht ist

Letzte Woche haben wir die keltische Sprache Walisisch vorgestellt, die eine Sonderfunktion in diesem Bereich einnimmt: Sie weist von allen keltischen Sprachen die meisten Muttersprachler auf. Doch auch das Bretonische, das ebenfalls Teil der britannischen Untergruppe ist, nimmt eine Sonderstellung ein. Es auf dem europäischen Festland die einzige moderne keltische Sprache. Da sich jedoch die Zahl der Sprecher stets verringert, wird das Bretonische inzwischen zu den ernsthaft gefährdeten Sprachen gezählt. Die Sprache droht auszusterben. Derzeit sollen laut Schätzungen rund 250.000 Menschen der Sprache mächtig sein. Ein Großteil der Sprecher ist jedoch über 60 Jahre alt.

Wie konnte es soweit kommen? Das Bretonische, das lange Zeit als Bauernsprache und zudem als vulgär galt, erfuhr vor allem im 19. und 20. Jahrhundert kaum Unterstützung durch den französischen Staat. Vielmehr wurde die Sprache, die im eigenen Land offiziell nicht anerkannt ist, unterdrückt. So war die bretonische Sprache bis zum Jahr 1954 an Schulen verboten. Bretonische Namen waren ebenfalls jahrelang untersagt. Erst seit 1966 sind diese gestattet. Viele trauten sich in dieser Zeit nicht, aus Angst vor Strafen oder Hänseleien, ihre Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen. Auch wenn einige Städte inzwischen den Schritt gegangen sind, zweisprachige Ortsschilder aufzustellen, so gilt dennoch nur die französische Bezeichnung als anerkannt.

Einige Schulen, vor allem katholische Privatschulen sowie die Diwan-Schulen, versuchen gegen den negativen Trend vorzugehen, indem sie Bretonisch als Unterrichtssprache einsetzen. Die Diwan-Schulen wurden vom Verein Diwan ins Leben gerufen, der seit 1977 existiert. Im gleichen Jahr wurde in Lampaul-Ploudalmézeau, einer Gemeinde in der Bretagne, die erste Schule dieser Art eröffnet. Die bretonische Sprache ist an Diwan-Schulen allgegenwärtig und wird von Schülern sowie Lehrern intensiv gepflegt. Auch die 1999 gegründete Organisation Ofis publik ar Brezhoneg widmet sich dem Erhalt der bretonischen Kultur und Sprache.