Sprachenstreit in Belgien

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Während in vielen Ländern bereits früh Einigkeit darüber bestand, welche Sprache als Amtssprache geführt wird, herrschte in Belgien lange Zeit der sogenannte Sprachenstreit. Auch heute noch kommt es regelmäßig zu politischen Auseinandersetzungen, wenn das sensible Thema angesprochen wird. Offiziell werden Französisch, Niederländisch sowie Deutsch als Landessprachen geführt. Jeder Bürger hat die freie Wahl, in welcher Sprache er sich verständigen möchte, doch beim öffentlichen Dienst, u. a. Verwaltungen und Gerichte, sieht es anders aus. Verschiedene Regeln schreiben vor, welche Sprache innerhalb und zwischen den Diensten sowie gegenüber den belgischen Einwohnern verwendet werden muss.

Zurück geht die Sprachgesetzgebung auf den flämisch-wallonischen Konflikt, der sich erstmals im 19. Jahrhundert entwickelte. Im Jahr 1830 sagte sich Belgien vom Vereinigten Königreich der Niederlande los. In diesem Sinne wollten sich die Bewohner Brüssels, die der französischen Sprache zugetan waren, auch von der vorherrschenden niederländischen Sprache distanzieren. So legte die Regierung fest, dass fortan für die Streitkräfte sowie die Gesetzes- und Verordnungstexte, die im Staatsblatt veröffentlicht wurden, die französische Sprache vorherrschend sein sollte. Jedoch waren die flämischen Provinzen mit diesem Schritt nicht einverstanden, denn in diesen Gebieten wurde hauptsächlich Niederländisch gesprochen.

Die Flämische Bewegung erreichte, dass 1873 das „Coremans-Gesetz“ verabschiedet wurde, das vorsah, dass bei Strafprozessen, die in flämischen Provinzen stattfanden, Niederländisch gesprochen wurde. Zuvor war bei Strafprozessen nur Französisch erlaubt gewesen. Dieser Umstand hatte dazu geführt, dass es 1860 zur Hinrichtung zweier Flamen gekommen war, die sich aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten nicht hatten verteidigen können. Der Fall wurde als Coucke- und Goethals-Affäre bekannt. In den folgenden Jahren wurden der niederländischen Sprache in Flandern dank verschiedener Gesetze immer mehr Rechte zugesprochen. 1898 wurde das Gleichheitsgesetz verabschiedet, das beide Sprachen als gleichberechtigt vorsieht.