Slowakisch ist nicht gleich Tschechisch!

Die slowakische Sprache wird gerne in einem Atemzug mit der tschechischen Sprache genannt, da die Slowakei und Tschechien über 70 Jahre den Binnenstadt Tschechoslowakei bildeten. Dementsprechend können sich die beiden Bevölkerungsgruppen trotz unterschiedlicher Sprachen relativ gut miteinander verständigen. Sogar Fernsehprogramme werden in der anderen Landessprache meist ohne Übersetzung ausgestrahlt. Offizielle Dokumente, die entweder auf Tschechisch oder Slowakisch verfasst wurden, werden in der Regel problemlos in Tschechien oder der Slowakei anerkannt. Zudem ist es gesetzlich geregelt, dass jeder die jeweils andere Sprache im Amtsverkehr nutzen darf. Seit einigen Jahren fällt es jedoch besonders der nachkommenden tschechischen Generationen aufgrund der inzwischen über 20-jährigen Trennung immer schwerer, die slowakische Sprache zu verstehen.

Slowakisch hat bereits seit dem 10. Jahrhundert Bestand. Trotz der vorherrschenden Sprachen Latein sowie später Deutsch und Ungarisch wurde die slowakische Sprache vor allem im 13. und 14. Jahrhundert vom Bürgertum gefördert. Diese nutzten Slowakisch als alternative Amtssprache. Doch schnell gewann die tschechische Sprache im Königreich Ungarn, dem die Slowakei angehörte, an überhand. Diese verfügte im Gegensatz zur slowakischen Sprache bereits über eine vollständig entwickelte Schriftsprache. Zudem nahm der Einfluss der tschechischen Hussiten sowie protestantischer Emigranten im Land immer mehr zu.

Das Slowakische verfügt erst seit 1787 über eine einheitliche Schriftsprache. Diese wurde vom slowakischen Philologen und Priester Anton Bernolák (1762−1813) erstellt. Sein Interesse galt seit jeher der Erhaltung der slowakischen Sprache, um so das slowakische Volk in die Selbstständigkeit zu führen und um ein nationales Bewusstsein zu schaffen. Bernolák war unter anderem der Leiter des „Vereins zur Pflege der slowakischen Sprache“. Mit Gleichgesinnten verfasste er die Schrift „Philologisch-kritische Ausarbeitung der slawischen Buchstaben“. Die derzeit genutzte Schriftsprache fußt auf der Version des slowakischen Schriftstellers und Philologen Ľudovít Štúr (1815−56). Dieser legte einen mittelslowakischen Dialekt für die Schriftsprache zugrunde.