Quechua − Sprache oder Sprachfamilie?

Die spanische Sprache ist in Lateinamerika weit verbreitet, doch in vielen Ländern ist sie nicht die einzige Amtssprache. In Bolivien zum Beispiel ist Quechua ebenfalls weit verbreitet und gilt dort als Amtssprache. Auch in Peru zählt sie zu den Amtssprachen, jedoch nur in den Orten, wo sie vorherrscht. Derzeit soll es rund 7-10 Millionen Sprecher geben. Da nicht von allen Staaten, in denen Quechua gesprochen wird, Erhebungen vorliegen, schwankt die Zahl der geschätzten Sprecher stark. Dennoch rangiert die Sprache in Lateinamerika hinter Spanisch und Portugiesisch an dritter Stelle.

Es wird darüber gestritten, ob es sich bei Quechua um eine Sprache, die verschiedene Dialekte aufweist, oder um eine Sprachfamilie, die aus mehreren Sprachen besteht, handelt. Eindeutige Aussagen können bisher nicht gemacht werden. Fest steht jedoch, dass eine Variante des Quechuas zur Zeit der Inka gesprochen wurde. Das klassische Quechua galt zum Ende der Inkazeit im Andenraum als Lingua franca. Varianten des Quechuas werden als Kichwa bezeichnet. Diese sind unter anderem in Ecuador in den Gebieten, in denen sie gesprochen werden, als Amtssprache anerkannt.

Laut dem peruanischen Sprachforscher Alfredo Torero (1930-2004) kann Quechua in zwei größere Gruppen (Quechua I + Quechua II) eingeteilt werden. Quechua II wird wiederum in drei Unteräste gegliedert. Die drei wichtigsten Dialekte des Quechua I, das vor allem in den nördlichen sowie zentralen Anden gesprochen wird, sind Ankash, Wanka und Shawsha. Zur Gruppe Quechua II werden die verschiedenen Varietäten gezählt, die in Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Chile, Argentinien sowie im Süden Perus vorherrschen.