Mauritius − ein Staat ohne offizielle Sprache

© Oke/wikipedie/cc by-sa 3.0

Der südwestlich im Indischen Ozean gelegene Inselstaat Mauritius ist eines der wenigen Gebiete, die rechtlich betrachtet keine Amtssprache besitzen. In der Praxis gelten Englisch sowie Französisch, das vor allem im Parlament sowie in den Massenmedien gegenwärtig ist, als Amtssprache. Im Alltag ist jedoch eine andere Sprache geläufig: Morisyen. Die zu den Kreolsprachen zählende Sprache wird von rund Dreiviertel der Einwohner als Muttersprache gesprochen. Da Morisyen von derart vielen Menschen verwendet wird, wird aktuell überlegt, diese offiziell zur Amtssprache zu erheben.

Morisyen fußt auf dem Französischen, das allgemeinhin als Muttersprache der prozentual geringen Oberschicht gilt. Wie auch das Seychellenkreol, das teilweise als Seselwa bezeichnet wird, und das Réunion-Kreolische, das auf der im Indischen Ozean gelegenen Insel La Réunion verbreitet ist, wird es zur Sprachfamilie des Bourbonnais-Kreolischen gezählt. Die Sprecher des Bourbonnais-Kreolischen, das auch das Agalega-Kreolisch (Verbreitungsgebiet Agalega-Inseln), das Tschagos-Kreolisch (Verbreitungsgebiet Mauritius und Seychellen) und das Rodriguais (Verbreitungsgebiet Rodrigues) umfasst, teilen ein eine gemeinsame Vergangenheit − sei in kultureller als auch in historischer Hinsicht.

Das teilweise auch auf Madagaskar gesprochene Morisyen weist einen eigenen Dialekt auf. Dieser wird als Rodrigues Creole bezeichnet. Nicht nur Morisyen wird auf Mauritius gesprochen, auch einige aus Nordindien stammende Sprachen und Dialekte sind hier stark vertreten, die sich zu einem einzigartigen Gemisch verwoben haben. Es weist eine große Ähnlichkeit mit dem Hindi auf.