Lëtzebuergesch wird oft nur im Alltag gesprochen

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Wenn wir in unseren Nachbarstaat Luxemburg reisen, werden wir für gewöhnlich auf Französisch oder Deutsch − zwei der insgesamt drei offiziellen Amtssprachen des Großherzogtums − begrüßt. Die dritte Amtssprache, Luxemburgisch, die auch als Lëtzebuergesch bezeichnet wird, bekommen Touristen hingegen nur selten zu hören. Dabei wird die moselfränkische Sprachvarietät des Westmitteldeutschen von rund 70 Prozent der Einwohner als Muttersprache gesprochen. Das seit 1984 mit dem Status einer National- und mündlichen Amtssprache versehene Luxemburgisch weist zahlreiche Lehnwörter aus dem Französischen auf. Es ist umstritten, ob es sich bei der luxemburgischen Sprache um eine eigenständige Sprache handelt.

Während in den verschiedenen Schulformen in der Regel Deutsch und Französisch gelehrt werden, wird Luxemburgisch dagegen gerne im Alltag verwendet. Auch vor amtlichen Behörden hat es Bestand. Antragsteller erhalten eine Antwort in der Sprache – sei es Deutsch oder Luxemburgisch –, in der sie die Frage gestellt haben. Schriftstücke werden in Luxemburg ansonsten seitens der Ministerien und Verwaltungen auf Französisch festgehalten.

Weitaus differenzierter gestaltet sich der sprachliche Ablauf einer Gerichtsverhandlung. Während das Sitzungsprotokoll auf Deutsch niedergeschrieben wird und die Gesetzestexte in französischer Sprache vorliegen, wird auf Luxemburgisch verhandelt. Zwar existieren für das Luxemburgische Rechtschreibregeln, jedoch variieren diese teilweise von Region zu Region. In vielen Worten findet sich der Umlaut ë, der eine Kombination aus den Vokalen e und ö darstellt. Er hat im Luxemburgischen inzwischen den Platz des ehemals häufig benutzten Umlauts ö eingenommen.