Latein – eine tote Sprache und doch irgendwie lebendig

© Stefan Bauer, www.ferras.at /wikipedia/cc-by-sa 2.5

Können Sie sich auch noch daran erinnern, wie Sie früher in der Schule die verschiedenen Konjugations- und Deklinationsformen lateinischer Verben und Nomen auswendig lernen mussten? Dann ist Ihnen bestimmt auch noch folgende Konjugationsreihe bekannt, die einem auch nach all den Jahren nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen will: laudo, laudas, laudat, laudamus, laudatis, laudant. Als Schüler hat man sich häufig gefragt, wofür es gut sein soll, eine Sprache zu lernen, die nicht mehr gesprochen wird. Und doch hat es viele Vorteile ein wenig Latein zu beherrschen – nicht nur, wenn man Medizin oder Jura studieren möchte.

Bestimmt ist Ihnen im Italien- oder Spanienurlaub auch schon einmal aufgefallen, dass Sie einzelne Wörter oder Begriffe übersetzen konnten, ohne die hiesige Sprache zu beherrschen. Dies liegt daran, dass Latein im Römischen Reich Amtssprache war und sich zugleich im westlichen Mittelmeerraum als Standardsprache durchsetzen konnte. Aus dem Vulgärlatein, das von der gemeinen Bevölkerung gesprochen wurde, entwickelten sich in den Folgejahren die romanischen Sprachen. Im Glücksfall können Sie sich also bei Verständigungsschwierigkeiten auf Ihre Lateinkenntnisse besinnen.

Auch wenn bedeutende Wissenschaftler und Gelehrten noch bis ins 19. Jahrhundert ihre Schriften auf Latein verfasst haben und die Vorlesungen an europäischen Universitäten in der Sprache der Latiner gehalten wurde, gilt Latein inzwischen als tote Sprache. Sie wird von niemandem mehr als Muttersprache gesprochen. Einzig im Vatikanstaat ist sie Amtssprache. Auch in der Populärkultur hat Latein in den vergangenen Jahren ein kleines Revival erlebt. Die beliebten Asterix-Comics oder auch die populären Harry-Potter-Bände wurden beispielsweise auf Latein übersetzt.