Isländische Dicht- und Schreibkunst

An Abenteuer und eisige Weiten lässt uns Island denken. Der zweitgrößte Inselstaat Europas nach dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland verfügt zudem über zahlreiche aktive Vulkane (z. B. Hekla), die Hauptinsel gilt als größte Vulkaninsel der Welt. Die rund 320.000 Einwohner unterhalten sich auf íslenska, so die Eigenbezeichnung der Einheimischen für das Isländische. Die Sprache entstammt dem germanischen Zweig und hat seit ihrer Entstehung kaum Veränderungen durchgemacht. Daher wird dem Isländischen oft eine nahe Verwandtschaft zum Altnordischen, das mit dem Beginn der Wikingerzeit um 800 an Bedeutung gewann, nachgesagt.

Um sich von ihren ehemaligen Herrschen, den Dänen loszulösen, beriefen sich die Isländer auf ihre eigene Sprache und rekonstruierten diese anhand alter Schriftquellen. An diesen mangelt es dem Land nicht, Island kann auf zahlreiche, gut erhaltene Schriftstücke verweisen. Das älteste, in isländischer Sprache verfasste Werk, das erhalten ist, ist das Kopialbuch (= Buch für Urkundenabschriften u.ä.) Reykjaholtsmáldagi. In dem Schriftstück lassen sich Eintragungen aus verschiedenen Zeiten finden. Der älteste Beitrag stammt vermutlich aus dem Jahr 1185. Es wird unter anderem auf die Rechte sowie Besitze der Kirche von Reykholt sowie auf den Politiker, Dichter und Historiker Snorri Sturluson (1179−1241) eingegangen.

Weitaus bekannter als das Reykjaholtsmáldagi ist die Edda. Mit dem Begriff wird zum einen die Snorra-Edda, die von Sturluson verfasst wurde, und die Lieder-Edda bezeichnet. Die Liedersammlung, die um 1270 verfasst wurde, beinhaltet Lieder aus unterschiedlichen Epochen. Die Snorra-Edda kann als ein Lehrbuch für isländische Dichter, die als Skalden bezeichnet wurden, angesehen werden. Zugleich sind Heldenlieder und mythologische Lieder in ihr zu finden.