Im ständigen Wettstreit: Ukrainisch und Russisch

Bereits seit Monaten protestieren Tausende Menschen in der Ukraine, angeführt vom Profiboxer Vitali Klitschko (*1971), gegen die Staatsführung rund um den Präsidenten Wiktor Janukowytsch (*1950) und fordern unter anderem dessen Rücktritt. Doch in welcher Sprache finden eigentlich diese Proteste statt? Die Schriftzeichen, die auf den Plakaten auftauchen, können recht schnell mit russischen Sätzen verwechselt werden, denn die ukrainische Sprache bedient sich ebenfalls des kyrillischen Alphabets. In früheren Zeiten wurde das Ukrainische auch als Kleinrussisch bezeichnet. Doch sie ist eine eigenständige Sprache, die dem slawischen Zweig zugeordnet wird.

Ukrainisch ist die alleinige Amtssprache des Landes, auch wenn dort ein Großteil der Bevölkerung gleichfalls des Russischen mächtig ist und dieses regelmäßig angewendet wird. Russisch ist ein Überbleibsel der ehemaligen Sowjetunion. Nachdem die Ukraine 1991 ihre Unabhängigkeit erlangte, verlor das Russische seinen Status als offizielle Amtssprache. Seit diesem Zeitpunkt wurde die ukrainische Sprache stärker gefördert: Sie wurde zum Pflichtfach im Schulbereich benannt und an vielen Schulen Unterrichtssprache. Dennoch fordern viele Ukrainer – vor allem diejenigen, die mit Russland sympathisieren −, dass das Russische dem Ukrainischen wieder gleichgestellt werden soll. Durch ein Gesetz aus dem Jahr 2012 wurde die russische Sprache in Regionen, in denen mindestens zehn Prozent der Bevölkerung eine andere Muttersprache haben, zu einer regionalen offiziellen Sprache aufgewertet.

Eine Besonderheit in der Ukraine ist die Sprache Surschyk. Sie ist eine Mischform aus dem Ukrainischen und dem Russischen. Surschyk wird ausschließlich mündlich weitergegeben. Die Zahl der Sprecher geht jedoch seit der Auflösung der Sowjetunion stark zurück, da das Ukrainische in den Folgejahren immer mehr an Bedeutung gewann.