Haben Sie eine Idee, womit sich die Bohemistik befasst?

Die Bohemistik untersucht die tschechische Literatur sowie Sprache, die früher auch als böhmische Sprache bezeichnet wurde. Diese ist Teil der indogermanischen Sprachfamilie. Tschechisch wird nicht nur in Tschechien, sondern auch in Österreich, der Slowakei sowie in Rumänien gesprochen. Die Zahl der Muttersprachler beläuft sich auf rund 12 Millionen Menschen. Bei den ältesten erhaltenen Schriftstücken, die auf Alttschechisch verfasst wurden, handelt es sich hauptsächlich um religiöse Lieder und Glossen. Sie stammen überwiegend aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Im 14. Jahrhundert fand die erste Bibelübersetzung ins Tschechische statt, jedoch nicht als Gesamtwerk, sondern in einzelnen Teilen. Besonders der christliche Theologe, Reformator und Prediger Jan Hus (* um 1369−1415) hat sich um die tschechische Sprache verdient gemacht. So entwickelte er um 1400 eine entsprechende Schriftsprache, die sich am Prager Dialekt orientierte, der um diese Zeit gesprochen wurde. Um die tschechische Sprache adäquat wiedergeben zu können, ersann er zusätzlich die beiden diakritischen Zeichen háček und čárka. Zudem unterzog er der in mehrere Teile zersplitterten Bibelübersetzung einer Überarbeitung.

Jan Hus war es auch, der die tschechische Sprache in den Kirchenalltag integrierte. Er hielt ab 1402 seine in der Prager Bethlehemskapelle vorgetragenen Predigten nicht auf Latein, sondern auf Tschechisch ab, denn er wollte, dass ihn sämtliche Zuhörer verstehen konnten. Außerdem bestand er darauf, dass die Lieder, die im Gottesdienst Verwendung fanden, in der neuen Landessprache gesungen werden sollten.