Haben Roma eine gemeinsame Sprache?

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Obwohl die Roma über zahlreiche Länder verstreut sind – ein Großteil der europäischen Roma lebt in Rumänien und Bulgarien −, können sie eine gemeinsame Sprache aufweisen: Romani. Diese wird auch von den Sinti gesprochen. Sie unterscheidet sich jedoch von Region zu Region. In einigen Teilen Mazedoniens sowie im Kosovo ist Romani offizielle Amtssprache, in Deutschland, Österreich, Schweden, Finnland, Norwegen, Slowenien, Ungarn und Rumänien ist es eine anerkannte Minderheitensprache.

Großen Einfluss auf die Entwicklung der Sprache, die in Deutschland teilweise auch als Romanes bezeichnet wird, hatte das Mittelgriechisch, das seine Blütezeit zwischen 600 und 1453 hatte. Als Folge der Völkerwanderung entwickelten sich zahlreiche Dialekte. Besonders der Wortschatz, die Morphologie sowie die Syntax der sogenannten Para-Romani-Sprachen wurden durch die Kontaktsprachen geformt und beeinflusst. Para-Romani-Sprachen wie Anglo-Romani, das in Großbritannien gesprochen wird, oder das in Skandinavien verwendete Romani rakripa gelten als Variante der Kontaktsprache.

Ursprünglich stammen die Roma aus Indien. Von dort aus machten sie sich vor über 1.000 Jahren auf den Weg nach Europa. Dementsprechend weist das Romani eine gewisse Ähnlichkeit zu indischen Sprachen auf und wird wie Urdu und Hindi zur indoarischen Sprachfamilie gezählt. Bezüge zum indischen Ursprung der Sprache lassen sich vereinzelt im Wortschatz sowie im Bereich Zahlwörter ausmachen. Lange Zeit wurde Romani nur mündlich weitergegeben, erst seit dem 20. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, eine entsprechende Schriftsprache zu entwickeln. Derzeit wird das Alphabet noch in Kyrillisch, Lateinisch und Devanagari (indische Schrift) niedergeschrieben.