In Äthiopien sind gute Umgangsformen gefragt

Äthiopier setzen großen Wert auf eine angemessene Begrüßung. In rascher Reihenfolge sprechen sie auf Amharisch, der offiziellen Amtssprache, bestimmte Begrüßungsformeln aus. Mitunter kann es vorkommen, dass sie diese mehrfach wiederholen. Erst anschließend wird das eigentliche Gespräch aufgenommen oder das Anliegen vorgetragen. Die Begrüßungsformeln können an die verschiedenen Tageszeiten angepasst werden. In Äthiopien leben ca. 20 Millionen Muttersprachler, gleich vierfach so viele Menschen wenden Amharisch, das zugleich auch Handels- und Arbeitssprache des Landes ist, als Zwei- oder Drittsprache an.

Ihren Ursprung hat die Sprache in Amara Sayint. Der Ort befindet sich im heutigen Bundesstaat Wollo. Von dort aus gelangte die äthio-semitische Sprache via der benachbarten Provinzen (u. a. Gondär, Goggam und Säwa) in weitere Teile des Landes. In dieser Zeit entwickelten sich geografisch bedingt verschiedene Dialekte. Für die Verschriftlichung wird das Alphabet des Ge’ez herangezogen. Häufig ist Ge’ez auch unter dem Begriff Altäthiopisch bekannt. Die Schriftsprache wird inzwischen nur noch von den äthiopischen Juden, den Beta Israel, sowie in der Liturgie der Äthiopischen-Orthodoxen Kirche verwendet.

Im Gegensatz zu anderen semitischen Schriften wird Amharisch nicht von rechts nach links, sondern von links nach rechts geschrieben. Erste Schriftstücke stammen aus dem 14. Jahrhundert. In den „Königsliedern“ werden die zu diesem Zeitpunkt lebenden Herrscher gerühmt. Das amharische Alphabet weist 34 Buchstaben auf. Besonders ist, dass jeder Konsonant in sieben verschiedenen Formen verwendet werden kann. Welche Form angewandt wird, leitet sich durch den angeschlossenen Vokal ab. Das Amharisch kennt nur maskulin und feminin, wobei ein Großteil der Nomen maskulin ist.