Die armenische Sprache stiftet Identitäten

Vor einigen Wochen erfuhr Armenien für einen Augenblick weltweite Aufmerksamkeit. Grund hierfür war der 100. Jahrestag des Völkermordes im Jahr 1915 und die kontroverse Debatte seitens der Türkei über die genauen Vorfälle. Die Sprache des im Kaukasus gelegenen Binnenstaates erfährt trotz ihrer kulturellen Bedeutung im Ausland hingegen kaum Beachtung. Dabei ist sie es, die die Armenier, die heutzutage in alle Länder der Welt verstreut sind, vereint. Zahlreiche Muttersprachler − ihre Zahl wird auf ca. 9 Millionen Menschen geschätzt − pflegen die armenische Sprache. So ist die Zukunft des Armenischen gesichert, auch wenn nur rund ein Drittel der Armenier in Armenien lebt.

Die armenische Sprache wird in drei Formen gegliedert. Zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert wurde Altarmenisch, das auch unter dem Begriff Grabar bekannt ist, gesprochen. Hieran schloss sich bis zum 17. Jahrhundert das Mittelarmenische an. Anschließend kam das heute noch aktuelle Neuarmenische auf, das auch als Aschcharabar bezeichnet wird. Das Neuarmenische wird wiederum in die Formen Ost- und Westarmenisch unterteilt. Nicht nur hinsichtlich der Grammatik unterscheiden sich die beiden Formen, auch der Wortschatz sowie die Aussprache sind verschieden.

Die offizielle Sprache des Landes fußt auf dem Ostarmenischen, das auch von der armenischen Bevölkerung im Iran verwendet wird. In der Türkei, in den USA, in Europa sowie im Nahen Osten ist hingegen häufig das Westarmenische zu hören. Dies war zur Zeit des Osmanischen Reiches die Sprache der dort lebenden Armenier. Generell ist das Armenische von zahlreichen griechischen und iranischen Lehnwörtern durchzogen. Auch russische Wörter finden sich in der armenischen Sprache. Jedoch sind die Armenier inzwischen bestrebt, sich dieser Lehnwörter nach und nach zu entledigen.