Das Sumerische ist der Rentner unter den Sprachen

Die älteste Sprache, für die eine Schrift erfunden wurde, ist nicht etwa das Altgriechische oder das Chinesische, wie man vielleicht vermuten mag, sondern die sumerische Sprache. Die Schrift soll um 3200 v. Chr. entstanden sein. Hierauf schließen Funde in Uruk, dem heutigen Warka. Die Stadt liegt rund 20 km östlich des Euphrats in irakischem Gebiet. Die Sprache ist bereits seit Langem ausgestorben, sie wurde bis ungefähr 1700 v. Chr. in Südmesopotamien als Alltagssprache gesprochen. Als Wissenschafts-, Religions-und Literatursprache hielt sich das Sumerische in Mesopotamien noch bis zum 1. Jh. v. Chr.

Es ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob zwischen dem Sumerischen und den ägyptischen Hieroglyphen eine Beziehung besteht, denn die Hieroglyphen, das älteste bekannte ägyptische Schriftsystem, sind annähernd so alt wie die sumerische Schrift. Mithilfe eines Griffels wurden in weiche Tonklumpen, später auch auf Statuen und Tontafeln, Zeichen eingeritzt. Auf diese Weise entstand die mesopotamische Keilschrift, die zunächst aus Bildern, die vor allem Symbole (Piktogramme) beinhalteten, bestand. Um ein Wort genauer zu bezeichnen, wurden häufig zwei Piktogramme nebeneinander geritzt. Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Silben.

Aus den Funden ist zu schließen, dass zu Beginn hauptsächlich Verwaltungs- und Wirtschaftstexte in sumerischer Schrift verfasst wurden. Erst in der Zeit des Altsumerischen (2600−2150 v. Chr.) mischten sich einige literarische Schriftstücke unter die Texte. Auch erste Grammatikregeln können in dieser Zeit datiert werden. Mit dem Aufkommen des Akkadischen, dessen wichtigste Dialekte das Babylonische, das im Süden Mesopotamiens gesprochen wurde, und das im Norden verwendete Assyrisch waren, verlor das Sumerische an Bedeutung.