Kategorie-Archiv: mitteleuropäische Sprachen

Slowakisch ist nicht gleich Tschechisch!

Die slowakische Sprache wird gerne in einem Atemzug mit der tschechischen Sprache genannt, da die Slowakei und Tschechien über 70 Jahre den Binnenstadt Tschechoslowakei bildeten. Dementsprechend können sich die beiden Bevölkerungsgruppen trotz unterschiedlicher Sprachen relativ gut miteinander verständigen. Sogar Fernsehprogramme werden in der anderen Landessprache meist ohne Übersetzung ausgestrahlt. Offizielle Dokumente, die entweder auf Tschechisch oder Slowakisch verfasst wurden, werden in der Regel problemlos in Tschechien oder der Slowakei anerkannt. Zudem ist es gesetzlich geregelt, dass jeder die jeweils andere Sprache im Amtsverkehr nutzen darf. Seit einigen Jahren fällt es jedoch besonders der nachkommenden tschechischen Generationen aufgrund der inzwischen über 20-jährigen Trennung immer schwerer, die slowakische Sprache zu verstehen. Weiterlesen

Slowenisch weist zahlreiche Bezüge zu Kärnten auf

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Wer hätte gedacht, dass das Slowenische hinsichtlich der Aussprache eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Deutschen aufweist? So werden die slowenischen Vokale a, i und u sowie ein Großteil der slowenischen Konsonanten wie die entsprechenden deutschen Vokale und Konsonanten ausgesprochen. Die Ähnlichkeit kommt jedoch nicht von ungefähr, schließlich handelt es sich bei Slowenisch um eine indogermanische Sprache. Die Entstehung der slowenischen Sprache wird im slawischen Fürstentum Karantanien vermutet. Dieses lag im heutigen Gebiet Kärnten. Auch in der Mark Krain, die dem Herzogtum Kärnten vorgelagert war, war die slowenische Sprache weit verbreitet. Weiterlesen

Wie Plattdeutsch nach Bolivien und Kanada kam

Eine Vielzahl an Sprachen ist uns unbekannt, obwohl sie Teil der germanischen Sprachenfamilie sind. Plautdietsch ist nur eine von ihnen. Dass diese Sprachen uns relativ fremd erscheinen, liegt vermutlich daran, dass Plautdietsch, obwohl es eine niederpreußische Varietät des Ostniederdeutschen („Plattdeutsch“) ist, von Russlandmennoniten überwiegend in Lateinamerika und der Karibik (u. a. Bolivien, Mexiko, Argentinien und Uruguay), in Kanada, den USA sowie in Russland gesprochen wird. In Nordamerika ist Plautdietsch unter dem Begriff Mennonite Low German bekannt. Weiterlesen

Frohe Weihnachten!

Mit Blick auf morgen möchten wir uns diesem besonderen Tag linguistisch nähern. Die genaue Herkunft des Wortes Weihnachten ist nicht zweifelsfrei geklärt, da mehrere Theorien bestehen. Als einer der ältesten Belege für das Wort gilt die Textstelle „Minnesangs Frühling VII. IV; 1.1.-4“, die vom bayerischen Minnesänger Herger im Jahr 1190 verfasst wurde. Dort heißt es in der zweiten Zeile: „der ze wîhen naht geborn wart.“ 1838 begannen die Gebrüder Grimm mit der Erstellung des „Deutschen Wörterbuchs“. Das aufwendige Werk, das der deutschen Sprache auf den Grund geht, wurde erst 1961 fertiggestellt. Auch hier wird die Formulierung wîhe naht als ursprüngliche Bezeichnung angegeben, die damals als Übertragung des lateinischen Begriffes nox sancta (dt. heilige, geweihte Nacht) verstanden wurde. Weiterlesen

Vom Aussterben der deutschen Dialekte

Wie viele Bewohner andere Staaten kennen auch wir Deutschen verschiedene Dialekte. Mitunter fällt es uns schwer, die einzelnen Dialekte zu verstehen, besonders dann, wenn wir nicht aus der entsprechenden Region stammen. Ein Großteil der historischen Kernsprachen ist jedoch vom Aussterben bedroht. So äußerte zum Beispiel der Bayrische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) vor Kurzem die Angst, dass die Mundart demnächst von der Bildfläche verschwinden könnte. Als Gegenmaßnahme fordert der Verband, unterstützt vom „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte“, dass der Dialekt vermehrt an Schulen unterrichtet werden müsse. Im Jahr 2009 hatte die UNESCO das Bayrische bereits in ihren „Weltatlas zu bedrohten Sprachen“ aufgenommen. Weiterlesen

Was die baskische Sprache so einzigartig macht

Einen Sonderstatus innerhalb der europäischen Sprachen nimmt das Baskische ein, das von seinen rund 800.000 Sprechern als Euskara bezeichnet wird: Hierbei handelt es sich um eine isolierte Sprache. Dies bedeutet, dass das Baskische keine genetischen Verwandtschaftsverhältnisse mit einer anderen bekannten Sprache aufweist. Alle anderen Sprachen, die in Europa gesprochen werden, können in die vier vorherrschenden Sprachfamilien (semitische Sprache, indogermanische Sprachen, Turksprachen und uralische Sprachen) eingeordnet werden. Zugleich ist sie die einzige nichtindogermanische Sprache, die in Westeuropa verwendet wird. Weiterlesen

Warum das Bretonische vom Aussterben bedroht ist

Letzte Woche haben wir die keltische Sprache Walisisch vorgestellt, die eine Sonderfunktion in diesem Bereich einnimmt: Sie weist von allen keltischen Sprachen die meisten Muttersprachler auf. Doch auch das Bretonische, das ebenfalls Teil der britannischen Untergruppe ist, nimmt eine Sonderstellung ein. Es auf dem europäischen Festland die einzige moderne keltische Sprache. Da sich jedoch die Zahl der Sprecher stets verringert, wird das Bretonische inzwischen zu den ernsthaft gefährdeten Sprachen gezählt. Die Sprache droht auszusterben. Derzeit sollen laut Schätzungen rund 250.000 Menschen der Sprache mächtig sein. Ein Großteil der Sprecher ist jedoch über 60 Jahre alt. Weiterlesen

Sprachenstreit in Belgien

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Während in vielen Ländern bereits früh Einigkeit darüber bestand, welche Sprache als Amtssprache geführt wird, herrschte in Belgien lange Zeit der sogenannte Sprachenstreit. Auch heute noch kommt es regelmäßig zu politischen Auseinandersetzungen, wenn das sensible Thema angesprochen wird. Offiziell werden Französisch, Niederländisch sowie Deutsch als Landessprachen geführt. Jeder Bürger hat die freie Wahl, in welcher Sprache er sich verständigen möchte, doch beim öffentlichen Dienst, u. a. Verwaltungen und Gerichte, sieht es anders aus. Verschiedene Regeln schreiben vor, welche Sprache innerhalb und zwischen den Diensten sowie gegenüber den belgischen Einwohnern verwendet werden muss. Weiterlesen

So unterschiedlich kann die deutsche Sprache sein

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Am Wochenende hat in Kopenhagen der Travestie-Künstler Tom Neuwirth alias Conchita Wurst mit dem Lied „Rise like Phoenix“ für Österreich den Eurovision Song Contest gewonnen. Hätte er in seiner Landessprache, wie es zwischen 1966 und 1972 sowie zwischen 1977 und 1998 üblich war, singen müssen, so wäre dies bekanntermaßen Deutsch gewesen. Doch das in seiner Heimat angewendete Deutsch unterscheidet sich vielfach von dem in der Bundesrepublik gesprochenem Deutsch. Die Varietät wird auch als Österreichisches Deutsch bezeichnet und wird in Österreich von rund 89 % der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Weiterlesen