Bosnisch bangt um seine Eigenständigkeit

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Aufgrund ihrer Ähnlichkeit in puncto Grammatik, Wortschatz und Rechtschreibung sind die slawischen Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch für Außenstehende nur schwer voneinander zu unterscheiden. Alle drei Sprachen fußen auf einem štokavischen Dialekt. Dank der sprachlichen Gemeinsamkeiten sind die zahlreichen bosnischen Muttersprachler – ihre Zahl wird auf rund 2,5 Millionen Menschen geschätzt − in der Lage, Serbisch und Kroatisch ohne große Probleme zu verstehen. Doch die große Ähnlichkeit der Sprachen untereinander führt oft dazu, dass die bosnische Sprache von einigen Wissenschaftlern nicht als eigenständige Sprache, sondern als eine nationale Varietät der serbokroatischen Sprache angesehen wird. Dieser Umstand führt oft auch zu politischen Diskussionen.

Die vor allem in Bosnien und Herzegowina gesprochene Sprache wurde im Laufe der Jahrhunderte durch zahlreiche andere Sprachen beeinflusst. Als Folge der wechselnden Herrschaftsverhältnisse weist die bosnische Sprache, die auch in Kroatien, Mazedonien, Serbien und Montenegro weit verbreitet ist, heute unter anderem persische, arabische und türkische Begrifflichkeiten auf. Als eine der wenigen Sprachen überhaupt wird für das Bosnische wahlweise das lateinische oder das kyrillische Alphabet herangezogen. Die Verwendung des lateinischen Alphabets ist jedoch geläufiger.

Eine Zeit lang wurde auch das Alphabet Bosančica verwendet. Dieses hatte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein Bestand und war größtenteils in Bosnien und Herzegowina sowie teilweise in Kroatien gebräuchlich. Bei Bosančica, was so viel wie Bosnische Schrift bedeutet, handelte es sich um eine Form der kyrillischen Schrift. Zu den ältesten Schriftstücken, die in Bosančica angefertigt wurden, zählt die Tafel von Humac. Die Weihinschrift stammt vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert und wurde in Ljubuški (Bosnien und Herzegowina) gefunden.