Bo: Welche Folgen Modernisierungen haben können

Während die Sprache Manx, die auf der Insel Isle of Man verwendet wird, nach dem Tod des Fischers Ned Maddrell (um 1877−1974) wiederbelebt werden konnte, scheint es für die Sprache Bo aktuell keine Rettung zu geben. Die früher einzig auf den indischen Andamanen-Inseln verbreitete Sprache gilt seit dem Tod der letzten Sprecherin, Boa Sr, im Jahr 2010 inzwischen als ausgesprochen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Bo-Sprache auf eine rund 65.000-jährige Tradition zurückblicken. Sie war bis zum Tod von Boa Sr die Ausdrucksform eine der ältesten Kulturen überhaupt.

Es wurde versäumt, die Bo-Sprache ausreichend für die Nachwelt zu sichern. Die Aufzeichnungen sind nur bruchstückhaft. Es gibt war unter anderem Aufnahmen von Boa, die gerne Lieder des Bo-Volkes sang, doch diese werden für eine Rekonstruktion wohl nicht ausreichen. Boa Sr verständigte sich mit der Außenwelt meist mittels eines Hindi-Dialekts, der unter den auf den Andamanen-Inseln lebenden Ureinwohnern weit verbreitet ist.

Das Bo-Volk war Teil der insgesamt zehn Unterstämme des Großen-Andamaner-Stammes. Zwar leben auf den Andamanen-Inseln, genauer gesagt auf einer Insel in der Nähe von Port Blair, noch 52 Menschen aus dem Großen-Andamaner-Stamm, doch diese sind der Bo-Sprache nicht mächtig. Stattdessen sind auf den Inseln, die im Bay von Bengalen, rund 1.200 Kilometer vor der indischen Ostküste liegen, weitere Sprachen verbreitet, die ebenfalls vom Aussterben bedroht sind. Dies liegt unter anderem an der Verbreitung von modernen Kommunikationsmitteln. Vielen Bewohnern sind die ursprünglich auf den Andamanen-Inseln gesprochenen Sprachen nicht allzu wichtig. Zudem ist Alkoholismus auf den Inseln weit verbreitet, verbesserte Straßen und Wege befördern die Verbreitung von alkoholischen Getränken. Das Interesse an den alten Sprachen sinkt.