Bangladesch hat seiner Sprache viel zu verdanken

Die bengalische Sprache hat auf die Entwicklung des Landes Bangladesch enormen Einfluss genommen. Dank der gemeinsamen Sprache formte sich im 20. Jahrhundert ein immer stärkeres nationales Bewusstsein und trieb den Unabhängigkeitskampf voran. Am 26. März 1971 wurde die Unabhängigkeit Bangladeschs von Pakistan verkündet. Heute wird die Sprache, die allgemein als östlichste der indo-germanischen Sprachen gilt, von rund 215 Millionen Menschen gesprochen. Davon verteilen sich 140 Millionen auf den Staat Bangladesch, die restlichen Muttersprachler leben in Indien. Nach Hindi ist Bengalisch die am meisten verbreitete Sprache in Indien. Amtssprache ist sie jedoch nur in den beiden Bundesstaaten Westbengalen und Tripura.

Bengalisch entstand vor mehr als tausend Jahren. Bei den ältesten Schriftstücken, die zu einem nicht genauer bestimmbaren Zeitpunkt, aber vor 1000 n. Chr. verfasst wurden, handelt es sich um eine Sammlung von 47 Liedern, die als „Charyapada“ bezeichnet wird. Die Lieder wurden allesamt von unterschiedlichen Dichtern angefertigt. Vor allem religiöse Texte machen den größten Teil der literarischen Zeugnisse aus, die im Zeitraum 1350−1800 entstanden sind. Viele der Werke folgen nicht einer einheitlichen Standardsprache, denn diese existierte bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts nicht.

Erst der Portugiese und Missionar Manuel da Assumpção machte sich die Mühe und fasste zwischen 1734 und 1742 die bengalische Grammatik in dem Werk „Vocabolario em idioma Bengalla, e Portuguez dividido em duas parte“ zusammen. Die Arbeit und Systematisierung der Sprache nahm zunächst der bengalische Schriftsteller Ram Mohan Roy (1772−1833) auf, bevor der indische Gelehrte und Sozialreformer Ishwarchandra Vidyasagar (1820−91) die Aufgabe weiterführte. Er wird als Begründer der modernen bengalischen Sprache verehrt.