Althochdeutsch − Die Sprache unserer Vorfahren

dat gafregin ih mit firahim /
firiuuizzo meista  ∙ dat ero ni /
uuas ∙ noh ufhimil ∙ noh paum /
noh perig noh uuas ∙ni […] noh heinig/
noh sunna ni scein ∙ noh mano/
ni liuhta ∙ noh der mareo seo

Was wie eine sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben oder wie ein Auszug aus einem lateinischen Text anmutet, ist der Beginn des Wessobrunner Gebets, eines der ältesten Zeugnisse des Althochdeutschen. Bei dem Gebet handelt es sich um das älteste christliche Gedicht der deutschsprachigen Literatur, das erhalten ist. Es wird in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt. Es ist Teil einer Pergament-Sammelhandschrift, die 814 erstellt wurde und dessen Inhalt in Latein niedergeschrieben wurde. Das Wessobrunner Gebet ist der einzige Text, der auf Althochdeutsch verfasst wurde. Er muss vor 814 entstanden sein. Der Verfasser sowie der Entstehungsort sind unbekannt.

Die deutsche Sprache ist Teil der germanischen Sprachgruppe, zu der u. a. auch das Dänische sowie das Schwedische zählen. Als Folge der zweiten oder auch hochdeutschen Lautverschiebung zwischen dem 5. oder 6. Jahrhundert und dem Jahr 800, bei der sich u. a. die germanischen stimmlosen Verschlusslaute p, t und k nach langen Vokal und im Auslaut zu den einfachen stimmlosen Reibelauten f, z und h verschoben haben, entwickelte sich aus dem Germanischen das Althochdeutsche. In diesem Zuge trennte sich auch das Hochdeutsche vom Niederdeutschen, denn die Regionen nördlich der Benrather-Linie haben diese Lautverschiebung nicht mitgemacht. Gleichzeitig entstanden die hochdeutschen Dialekte.

Aufgrund unterschiedlicher Wertungsansätze im sprachlichen und literaturgeschichtlichen Bereich ist die genaue Datierung des Althochdeutschen schwer zu treffen. In der Regel wird der Gebrauch des Althochdeutschen zwischen 750 und 1050 angesetzt. Eine der bekanntesten, nicht-religiösen Schriften ist das Heldenlied „Hildebrandslied“, das von der Sagenfigur Dietrich von Bern handelt.