Sich in Norwegen schriftlich richtig auszudrücken ist gar nicht so einfach!

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Wer einmal längere Zeit in Norwegen verbracht hat, wird schnell festgestellt haben, dass nicht alle Norweger dieselbe Schriftsprache benutzen. Dies liegt daran, dass im Land der Elche und der Wikinger sich insgesamt vier Varietäten entwickelt haben. Während das Bokmål und das Nynorsk amtlich anerkannt sind, besitzen die beiden Varietäten Riksmål und Høgnorsk keinen offiziellen Status. Zwischen 85 und 90 Prozent der norwegischen Bevölkerung verwenden die Varietät Bokmål. Es lehnt sich nah an das Dänische an, da die beiden Länder einen verbindenden kulturellen Hintergrund haben. Die gemeinsame Geschichte endete mit dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814. Neben dänischen Wörtern wird das Bokmål durch verschiedene Mundarten geprägt, die besonders in Oslo beliebt sind. Bevor eine Verordnung in Norwegen veröffentlich wird, wird entschieden, ob sie in Bokmål oder Nynorsk verfasst wird, denn sie wird nur in einer Variante herausgegeben.

Die Schriftsprache Nynorsk, die vor allem im Südwesten Norwegens Anklang findet, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Sprachwissenschaftler Ivar Aassen (1813−1896) aus west- und zentralnorwegischen Dialekten entwickelt. Er wollte auf diese Weise Norwegen, das wenige Jahrzehnte zuvor von Dänemark unabhängig wurde, zu einer eigenen Sprache verhelfen. Eine Varietät des Nynorsk, die dem Original von Aassen am nähesten kommt, ist das Høgnorsk.

Bokmål hieß bis 1929 Riksmål, was so viel wie Reichssprache bedeutet. Riksmål wurde von Knud Knudsen (18121895), einem Linguisten und Gymnasiallehrer, im 19. Jahrhundert entwickelt. Die Schriftsprache orientiert sich stark am Dänischen, das er an den norwegischen Sprachgebrauch anpasste. Heute wird mit Riksmål eine Varietät des Bokmål bezeichnet, das weit aus stärker dem Dänischen ähnelt als das Bokmål.