Die kyrillische Schrift und ihre Geschichte

Jede Sprache stellt ihre ganz eigenen Ansprüche an unsere Übersetzer. Eine Mehrheit der slawischen Sprachen, wie z. B. das Bulgarische, das Russische oder auch das Mongolische, setzt ausreichende Kenntnisse der kyrillischen Schrift voraus. Die Buchstabenschrift wurde nach dem griechischen Missionar Kyrill, der unter dem Namen Konstantinos geboren wurde und der im 9. Jahrhundert im slawischen Raum wirkte, benannt. Er ist der Erfinder der Glagolitischen Schrift, die als älteste slawische Schrift bekannt ist und dem Kyrillischen vorrausgeht.

Die kyrillische Schrift entstand mit großer Wahrscheinlichkeit in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Der genaue Urheber steht jedoch nicht fest. Es wird angenommen, dass sie sich am Hofe des bulgarischen Zaren in Preslaw und somit zuerst in Ostbulgarien entwickelt hat. Ein Großteil des Alphabets wurde aus dem Griechischen in seiner byzantinischen Schriftform übernommen. Fehlende Zeichen wurden aus der Glagolitischen Schrift entlehnt. Von Konstantin von Preslaw, der um 900 in Preslaw, der späteren Hauptstadt des ersten Bulgarischen Reiches, Bischof war, stammt das „Belehrende Evangelium“. Das Werk gilt als eine der ältesten schriftlichen Zeugnisse des Kyrillischen.

Besondere Bedeutung wird auch dem Grabkreuz von Ana zugesprochen, das nur noch fragmentarisch erhalten ist. Es stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert. Die Inschrift auf dem Kreuz ist eine der ersten erhaltenen Steinschriften in kyrillischer Schrift. Sie besagt, dass am neunten Tag im Oktober Ana verstorben sei. Sie war die jüngste Tochter von Boris I., der 852-89 auf dem bulgarischen Thron saß. Die Inschrift ist sowohl auf Griechisch als auch auf Altbulgarisch, hier in kyrillischer Form, verfasst. Das Fragment wird im Archäologischen Museum Weliki Preslaw in der bulgarische Stadt Weliki Preslaw aufbewahrt.